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29.01.2021: Red Bull München hat höchste Priorität Red Bull Salzburg nur mehr Randnotiz

Quelle: ©Kleine Zeitung

München hat höchste Priorität Red Bull Salzburg wurde zu einer Randnotiz

Salzburg hat seinen Status als Eishockey-Hochburg verloren. Red Bull hat die österreichische Mannschaft von Innen geschwächt, die rot-weiß-rote DNA genommen. Auch Trainer Matt McIlvane dürfte nur auf der Durchreise sein.

Das Magazin Red Bulletin gilt seit vielen Jahren als sportliche Hauspost des Konzerns aus Fuschl. So wurde versucht, die DNA der Dosen der gesamten Menschheit näherzubringen. Schillernde Persönlichkeiten aus (Extrem-)Sport, aber auch Kunst, Musik oder Film haben die Covers geziert. Von der aktuellen Ausgabe inszeniert Salzburgs Eishockey-Trainer Matt McIlvane eine Vollbremsung. Lässig lächelnd im Anzug. Mit einem pathetischen Titelzitat ("Die Zeit der Diktatoren ist vorbei") stellt er seine Philosophie vor. Acht Seiten und großflächige Bilder widmete ihm die Österreich-Ausgabe, die eigentlich mit Eishockey nie viel anfangen konnte.

Nirgends wird dermaßen auf die Außendarstellung geachtet, wie bei den Roten Bullen. Man kann an Zufälle glauben, dass McIlvane gerade jetzt gepusht wird. Man kann auch an den Osterhasen glauben. Voluminös wird die Vita des gewiss talentierten US-Trainers beleuchtet. Eine Aussicht auf die bevorstehende heiße Phase mit Salzburg sucht man jedoch vergebens. Stattdessen findet man jedoch alle möglichen Assoziationen zu Red Bull München. In der Mozartstadt kursiert wohl nicht umsonst das Gerücht, dass McIlvane als logischer Nachfolger für RBM-Trainer Don Jackson gilt (wenn dieser irgendwann abdankt).

Und damit verdeutlicht sich eine weitere "Urban Legend" aus der Mozartstadt: Das Alps Hockey League-Team fungiert als Farmteam von Salzburg, und Salzburg wird mehr und mehr zum Farmteam von DEL-Verein München. Es gibt keine zwei Prioritäten mehr bei Red Bull, wie letztmalig unter Trainer Dan Ratushny der Fall. Der ganze Fokus ist auf München gerichtet. Eingeläutet wurde dieser Prozess schrittweise vor ein paar Jahren. Der Dosenkonzern kam von Trainer Greg Poss nicht los, obwohl längst Stillstand in der Entwicklung eingesetzt hatte. Etwas, was so gar nicht mit der Bullen-Philosophie korreliert. Doch der Poss-Vertrag verlängerte sich stets wie von Geisterhand. Hinter den Kulissen soll dies einen Keil zwischen Salzburg-Manager Stefan Wagnerund RB-Eishockey-Boss Rene Dimter getrieben haben. Irgendwann wurde Wagner überraschend gefeuert, aber auch Poss musste gehen. Eine These lautet: Der Bayer wollte die kolportierte Budget-Kürzung für Red Bull Salzburg nicht kommentarlos hinnehmen.

Neues Haus in München

Warum Salzburg mehr und mehr an Boden verliert? Das Eishockey-Flaggschiff ist und wird München bleiben. Nicht nur aus demografischen, auch aus infrastrukturellen Gründen. Dort genießt die geplante Multifunktionsarena "SAP Garden" höchste Priorität. Neben Red Bull München soll es die neue Heimat des FC Bayern (Basketball) werden. Aus der bayrischen Metropole ist zu hören, dass die Kosten explodieren könnten - wenig überraschend, dass das Projekt zur Chefsache erklärt worden ist. Dimter hat die Bauaufsicht übernommen, Münchens Manager Christian Winklerhingegen hat den Salzburger Klub geerbt. Und für große Klubs üblich: Politik bestimmt eben auch den sportlichen Alltag bei Red Bull. Das Wesentliche, also das Sportliche, bleibt auf der Strecke.

Einem weiteren, besonderes gravierenden Problem wurde nie entgegengesteuert. Der österreichische Stamm, früher das Herzstück und Erfolgsgarant, verabschiedete sich nach und nach in die Eishockey-Pension (wie etwa Matthias Trattnig, Manuel Latusa, Daniel Welser uvm.). Zwar beackert Red Bull in Salzburg und Umgebung (Halb-Österreich) seit 2005 den Eishockey-Nachwuchs, und 2013 wurde die millionenschwere Akademie in Liefering eröffnet - heimische Spieler jedoch konnten nicht ansatzweise in die riesigen Fußstapfen von Trattnig und Co. treten.

Nicht mehr erste Adresse

Angenehm für die ausländischen Trainer (weil kein Gegenwind), aber eben nicht erfolgreich. So ist es nicht überraschend, das der letzte Meistertitel aus der Saison 2015/16 datiert. Für eine Geldmaschinerie wie Red Bull, wo eigentlich die Sieger zu Hause sind, eine Demütigung. Und selbst die besten Österreicher sehen Salzburg längst nicht mehr als Top-Adresse an. Torjäger Peter Schneider hatte für den Verein im Sommer 2020 nicht die höchste Priorität. Der Wiener unterschrieb daraufhin einen gut dotierten Vertrag bei Kometa Brno. Früher undenkbar, dass nicht unter allen Umständen die besten Österreicher geholt werden.

Schmerzhaft muss sich der Blick nach Klagenfurt gestalten. Der KAC ist für Österreichs Eishockey still und heimlich wieder zur Kaderschmiede Nummer Eins geworden. Ohne aufgeblasenen Apparat aus Finnland/Schweden, ohne High-Tech-Akademie mit Verwöhnaroma. Nicht im Traum haben die derzeit besten Rotjacken-Talente je einen Wechsel nach Liefering in Betracht gezogen: Thimo Nickl (19) wurde fast überraschend von NHL-Klub Anaheim Ducks gedraftet, Marco Kasper (16) verfügt ebenfalls über Draft-Potenzial, und weitere Rotjacken könnten zukünftig das rot-weiß-rote Eishockey maßgeblich gestalten.

Red Bull kann sich zwar die Deutschen J.J. Peterka oder Justin Schütz auf seine Fahnen heften, irgendwann vielleicht Julian Lutz - aber eben weit und breit keine Österreicher, die das Potenzial haben, "Difference Maker" zu sein. Heimische Lichtblicke finden sich allerdings auf dem Trainer-Segment: Allen voran Markus Kerschbaumer, der hohe Qualität in die Torhüter-Ausbildung bringt. Aber auch Manuel Latusa, Daniel Welser, Gerald Wimmer, Andreas Bruckeroder Manuel Skacal könnten, wenn es ihnen von der Firma erlaubt ist, einiges für das österreichische Eishockey bewirken.

"Fluch der bösen Tat"

Zurück zur ICE-Mannschaft: Salzburgs Glanz ging in den letzten Jahren mehr und mehr verloren. Exemplarisch für die schwindende Strahlkraft: Das Potenzial von späteren Leistungsträger wie Fabio Hofer, Marco Brucker, Andreas Kristler oder Johannes Bischofberger wurde nicht erkannt. Sie erhielten kaum Eiszeit, wurden leichtfertig abgegeben. Und mit Michael Schiechl trennte man sich letztes Jahr von einem Stammspieler, der die Fähigkeit besitzt, Verantwortung zu schultern. Die "Salzburger Nachrichten" bezeichneten das als "Fluch der bösen Tat" - es läuft die ganze Saison nicht wirklich rund bei den Bullen. Transfers am laufenden Band sollen retten, was kaum zu retten ist. Nicht weniger als 15 Imports liefen bisher für die Bullen ein. Verletzungspech tat sein Übriges.

Salzburg-Kapitän Thomas Raffl ist mit Alexander Pallestrang, Alexander Rauchenwald und Dominique Heinrich der einzige der alten Garde: "Unsere Mannschaft ist jünger geworden. Wir kennen unsere Probleme. Es ist aber kein Geheimnis, dass wir uns in der Lage sehen, um den Meistertitel mitzuspielen." Ob der mangelnde Stamm gerade in heiklen Phasen zu einem Problem werden könnte? "Ein österreichischer Kern ist durch nichts zu kompensieren, das ist klar. Wenn so viele weggehen, geht es dabei aber keiner Mannschaft anders." Von einem "soften Rebuild" ist bei Salzburg die Rede. Tim Harnisch, Yannic Pilloni, Kilian Zündel, Paul Huber oder Maximilian Rebernig erhalten mehr Eiszeit, als erhofft. Aber diese personellen Herausforderungen sollten Trainer McIlvane nicht erschüttern.

Im Red Bulletin erzählt der erst 35-Jährige von seiner ersten Trainerstation. Den Danville Dashers impfte er Kampfgeist ein, eine Mannschaft fand so auf die Erfolgsspur zurück. Ob das alleine für den Titel reicht? Als Co-Trainer war er bereits erfolgreich. Für einen großen Klub wie München, wo reihenweise Spieler aus der NHL begrüßt werden (wie früher bei Salzburg), wo eine nagelneue Arena gefüllt werden will (zumindest nach Corona), wo die Eishockey-Alpha-Bullen zu Hause sind, benötigt seine kurze Headcoach-Vita früher oder später etwas Vorzeigbares.



Quelle: ©Kleine Zeitung

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